Testphrase

Eine Liste mit zehn Erfindern, die an bzw. wegen ihrer Erfindungen gestorben sind - manch einer davon hat es sogar verdient. Es ist die eine Sache, Pionierarbeit zu leisten. Aber das große Zaudern und Zögern tritt ja meist dann ein, wenn die Revolutionäre befürchten, von ihren eigenen Kindern gefressen zu werden. Es gibt schlimmere Grabsteinsprüche als "…war seiner Zeit voraus." Das ist kein Grund, schlechte Online-Werbung zu fabrizieren.

Auf freitag.de/ hat sich jemand die nicht allzu große Mühe gemacht, die WM-Spots der drei Hauptausrüster im Fußballgeschäft zusammenzutragen. Der Nike-TVC ist auch für mich die klare Nr. 1; ich finde allerdings das Adidas-Filmchen derart einfallslos, daß selbst der folkloristische Klischee-Spot von Puma bei mir besser wegkommt.

Viele Leute machen es sich zu einfach. Und manche Sachen sind auch einfach nicht zu gebrauchen. Bei den seit Kurzem herunterladbaren Austellungskatalogen der kunsthallewien.at/ hingegen wäre ich noch nicht einmal böse, wenn sie sich jemand ausdruckte.

Das oben im eingebetteten Player hörbare Bad Blood ist übrigens der Beitrag von Beck zum Soundtrack von True Blood.

Diesen Blogpost habe ich mal schön über das lange Wochenende vor mir hergeschoben. Aber dafür haben die Savage Chickens jetzt Character.

In the Mood for Blogs

Am heutigen Towel Day so gedacht, eigentlich kennst Du kaum kleine Blogs. Aber es muß ja nicht immer independent sein - also im Sinne von “indie”, “Unabhängigkeit” ist ja der Vorteil der meisten Blogs. Oder sollte es zumindest sein.

oslog.tv/ von Lukas Heinser und Stefan Niggemeier schafft es, sogar mich zumindest ansatzweise in diesem Jahr für den Eurovision Song Contest Grand Prix zu interessieren, so daß ich am Samstag nach dieser Lesung (siehe Sidebar-Banner) vielleicht nicht sofort und schreiend das weite suche. Auch wenn ich, um mir den Quatsch anschauen zu können, eine Menge Alkohol werde in mich schüttten müssen. Es gibt Schlimmeres. Die Veranstaltung bringt mich wenigstens auch gleich zu Blogtip 2 - benefitz.de/, der Taubenvergrämer vereint Manie und Meisterschaft ausgerechnet mit Witzigkeit. Dazu noch Leute, die da auch hinkommengehen.

Und sonst so? Neben Seiten wie Spreeblick, Wirres oder Stylespion, die man hier wohl nicht verlinken muß, bleibt noch jede Menge Trash übrig, mal mit weniger, mal mit mehr Anspruch.

Ach ja, was Interessantes zu gucken gibt es immer auf den einschlägig künstlichen thejunction.de/ und rebelart.net/. Wisst Ihr wohl. Und (nicht nur) als Ex-Filmfreak mag ich pro2koll.de/. Ansonsten einfach mal in die Sidebar klicken, wird sowieso viel zu selten gemacht, nehme ich mich nicht von aus.

Zum Schluß noch ein Tip aus meiner Professionsecke (ich trenne im Reader natürlich nicht zwischen beruflichen und privaten Abos): Das private Blog von Werbetexter Stefan Zschaler, “nebenher” Geschäftsführer der Hamburger Agentur Leagas Delaney.

Woher die Aktion “Ein Herz für Blogs” kommt, wisst Ihr wahrscheinlich bis hoffentlich. Die Wiederaufnahmequelle empfehle ich hiermit ebenfalls uneingeschränkt. Und Weltfrieden.

Now that's what I call Ratgeberliteratur!

Just in case you’re wondering, why this guy is not only cool, but awsome, too.

(via)

waben/hollen

Argh, ÜberT-shirt. Will ich haben. Soweit ich sehe gibt es das aber nicht online zu kaufen. Was mich so zur Verzweiflung treibt, daß ich noch nicht einmal Lust habe, Line-Witze zu verreißen. Wenn mir der mspr0 doch nur eins aus New York mitbringen würde. Oder wer sonst demnächst so in den Großapfel reist.

(via @kopfbunt) Und keine Sorge: Das hier wird sicher kein Fashionblog. Also gleich was auf die Ohren: Caribou live in concert.

Unfortunately, I'm not with CoCo

Echt schade, daß der Coworkingspace Cologne so weit von meiner Wohnung, dafür in ziemlicher Nähe zu meiner Agentur aufmacht. Es wird schon kräftig geschraubt und eingerichtet, offizielle Eröffnung ist am 01. Juli, soweit ich weiß.

Ich werde das Projekt jedenfalls im Auge behalten. Den vorgeschlagenen Badge finde ich schon einmal ziemlich gelungen. Zu dessen Entstehung gibt es auch eine Präse.

Wo wir gerade beim Thema Köln sind: Rheinseitenwechsel. War ja gerade Landtagswahl in NRW, will ich mich auch gar nicht groß drüber auslassen, das tun andere schon genug. Nur eine kurze Anmerkung. Beim Vergleich meines Stimmbezirks mit meinem Wahlkreis habe ich ein ziemlich übles Gefühl. Und das wird nicht besser, wenn ich noch Infos zur Wohnlage hinzuziehe.

Edit // Wohnanlageninfo-Link entfernt, da Seite nicht mehr existent.

Sammelklage

Natürlich sind Blogs Geschwätz, da hat der Schneiderwolf schon recht. Wenn man denn alle über einen Kamm scheren möchte, dann bitte auch ordentlich. Ich will hier ja gar nicht gegenrasieren, von wegen der Herr läßt sich das Internet von seiner Frau ausdrucken. Denn ich weiß gar nicht, wie ich das finden soll. Optimistisch gedacht, würde ich sagen: “Toll, scheinbar ist Frau Schneider ein wenig moderner als ihr sprachpäpstlicher Ehemann.” Aber die Wahrheit sieht wohl eher so aus, daß die werte Gattin neben Putzfrau und Köchin auch noch die Tippse geben darf. Die Haltung “Mit dem Internetkram kann sich meine Sekretärin rumschlagen.” ist sicher unter deutschen Wirtschaftsbossen kein Einzelfall, möchte ich wetten.

Was dabei herauskommt, wenn Firmen bzw. deren leitende Angestellte von den Mechanismen des internets keine Ahnung haben, kann man sich gerade sehr gut am Beispiel von Schwalbe anschauen: Der Hersteller von Fahrradreifen hat doch tatsächlich einen Laden abgemahnt, der seine Produkte verkauft. Auch wenn das Unternehmen das Recht auf seiner Seite hat - im Ernst: Wie blöd kann man sein? Die katholische Kirche am Beispiel der Diözese Regensburg hingegen scheint dem Netz einiges zuzutrauen und mahnt nicht nur Blogs ab, die negativ über sie und den Kindesmissbrauchsfall eines Pfarrers, sondern auch gleich Journalisten, welche nur über den Abmahnungsvorgang selbst berichten.

Ich habe diese offizielle Petition zur Hebammenhilfe unterzeichnet und Sie schaffen das auch. Mehr Infos dazu von hier aus.

In eigener Sache: Noch kurz zu flattr. Ich habe den Button jetzt auch bei mir eingebaut. Nicht weil ich hoffe, damit reich zu werden, sondern weil ich das soweit wie möglich pushen möchte. Nach dieser schnellen Antwort bin ich nämlich noch ein kleines Stückchen mehr begeistert von diesem Service.

drauf/setzen

Das Video oben (falls Ihr es Euch groß auf YouTube ansehen wollt, müßt Ihr Euch anmelden - Altersbeschränkung) kennt man als aufmerksamer Beobachter des Internets höchstwahrscheinlich schon seit einiger Zeit. Drei schöne Frauen, viel nackte Haut und okaye Musik. So weit, so gut. Und dann sehe ich heute erst diesen Werbespot für Guitar Hero 5 unten, der scheinbar auch schon etwas länger draußen ist. Dabei bin ich hin und her gerissen, ob ich das unter Werbevampirismus einordnen oder sozusagen als (halbwegs) kreative “Videoantwort” für Eingeweihte abheften soll.

Ich gucke mir jetzt erst einmal das neue M.I.A.-Video Born Free an, soll ja krass sein.

Miriam Meckel auf der re:publica 2010

Miriam Meckel hat auf der großen Bühne des Friedrichstadtpalastes einen Vortrag mit dem Titel “This Object Cannot Be Liked - über die Grenzen menschlichen Ermessen und das Ermessen menschlicher Grenzen” gehalten. Der ist mittlerweile komplett bei YouTube zu finden. Ich bin live vor Ort gewesen und weil so viele Leute den Vortrag gut finden, fühle ich mich als notorischer Querscheißerschießer quasi dazu genötigt, an ihm rumzumäkeln. Aber Schritt für Schritt:

Okay, Prof. Dr. Miriam Meckel ist busy. Angekommen. Und ihren Cicero scheint sie auch gelesen zu haben. Der Redeneinstieg mit Kanzlerin Merkel und ihrem nicht landen könnenden Thema ist ein klassischer Fall von captatio benevolentiae. Nachdem das Wohlwollen des Publikums eingeheischt ist, geht es laut Handbuch der Rhetorik weiter mit Teil zwei der Rede, narratio. In diesem Fall das unmögliche Mögen einer Geburtstorte auf Facebook, äußerst pointiert herausexistenzialisiert. Bißchen langatmig, aber kann man machen. Die Fratzenfibel soll ja bei der (nicht mehr ganz so jungen, aber sich für die Zukunft haltenden) Netzavantgarde ziemlich weit vorne sein. Noch drei Zitate:

Bachsonaten, Dixie Chicks, Platzebo.

Apropos Genius: Bin ich überhaupt der einzige, der es nicht für einen “Zufall” hält, daß die sonst hosenanzügige oder businesskostümierte Prof. Dr. Meckel in Jeans und Chucks völlig verkleidet wirkt? Also zum Schirrmacher-Salto rückwärts husch wieder hinters Pültchen, ziemlich unwitzigerweise aufgehängt an Eigenwerbung.Hiermit sei also erklärt, wie es sich verhindern läßt, Bücher, die man bereits besitzt, von Amazon weiter vorgeschlagen zu bekommen: Man klickt unter der jeweiligen Abbildung auf “Diese Empfehlung korrigieren”, danach muß man im nächsten Fenster nur noch einen Haken vor “Gehört mir” machen - fertig. Der genannte Online-Versandhändler wird ja auch vom FAZ-Herausgeber und Payback-Autoren Schirrmacher gerne als schlechtes böses Beispiel herangezogen. Worüber sich Frau Meckel allerdings mehr sorgen sollte, das sind die beim Aufruf ihres eigenen Buchs unter “Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch” und dem Kombi-Angebot “Wird oft zusammen gekauft” auftauchenden Konkurrenzschmöker. Was da an Ratgeber- (ich wage es kaum, sie so zu nennen) -literatur aus den Schlünden der einzig auf verkaufsfreundlich getrimmten Möchtegernbestsellerhölle hervorragt, das gibt zu denken.

Wer jemals vor der benachttischschränkten, unbeliebigen Regalauswahl, sagen wir, einer Thalia-Buchhandlung gestanden hat oder sich von einer Angestellten der Mayerschen Buchhandlung versucht hat, beraten zu lassen, dem werden die Amazon-Empfehlungen wie ein heiliger Online-Gral der Lektüresuche erscheinen. Diese ganze Algorithmusschelte, die rein theoretische Verteufelung eines computarisierten Determinismus' ist nichts weiter als ein philosophisch interessantes Gedankenspiel. Frau Meckel gibt selbst zu, durch die eingebaute Randomisierung werden Berechnungen praktisch zu realen Zufällen, weil das durchschnittliche menschliche Gehirn diese rechnerisch sowieso nicht nachvollziehen kann. Trotzdem wird das dann einfach wie folgt als Bedrohungsszenerio in den Palast gestellt.

Zukunft ist immer die Replikation oder die Rekombination des aus der Vergangenheit Bekannten. Oder anders formuliert: Wir bleiben eigentlich immer unser eigener Status Quo.

Die Neckermann-Pauschalreise, darauf läßt sich prima herabsehen. Frei und abenteuerlich muß es sein, selbst wenn man vor dem Laptop sitzt. Und über das meiner Meinung nach total auf phishing for compliments berechnete (sic!) iPad-Bashing braucht man nur wenig Worte zu verlieren, außer diese hier: Als Lebensgefährtin einer bekannten deutschen TV-Talkmasterin hat Frau Meckel am Beispiel der Nachrichten auf FOX bzw. NBC den Hinweis auf den blickwinkelzügigen Fernsehkonsum auf einen einzigen Satz beschränkt. Doch wie unverfroren ist es, gerade dem Internet vorzuwerfen, der einzelne User finde dort lediglich, was er suche. Das mag zu einem nicht unwesentlichen Grad stimmen und natürlich ist Apples AppStore-Politik ein Übel, aber wieviel mehr treffen diese Vorwürfe auf alle anderen Medien zu, von TV-Sendern über das Radio bis zu Printmagazinen. Es ist mal wieder typisch schwyzerdeutsch zuerst auf die (berechtigten) Gefahren hinzuweisen und auf die (ungeheueren) Möglichkeiten gar nicht erst einzugehen.

Interessant, daß gerade ein Beispiel aus der Genetik zur Illustration herangezogen wird, selbstverständlich sitznachbarlich und fellowshippish. Ist es nicht eine Kombination immer derselben vier organischen Basen, die jeden einzelnen DNA-Strang jedes Lebewesens auf der ganzen Welt ausmachen? Gibt es nicht nur eine begrenzte Anzahl an Aminosäuren? Meiner Meinung nach gehorchen Mutationen und mit ihnen die ganze Evolution bestimmten Naturgesetzmäßigkeiten. Sucht auch die Geisteswissenschaftlerin Meckel nicht nach Regeln und Funktionen? Sehr verkürzt dargestellt. Ich habe leider gerade wenig Zeit, deshalb lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster: Es geht hier nicht nur um das Unbehagen eines Gottesverlusts, sondern vor allem um die Unfähigkeit, den Menschen selbst, also sich, an seine Stelle zu setzen. Wenn niemand der große Lenker ist, dann soll bitte der Zufall oberste Priorität haben. Aber vorher müssen wir noch sicherstellen, daß die Leute mit “Zufall” nicht plötzlich “Freiheit” meinen.

Ja, im Internet bekommt man auch die schlechten Seiten der Menschheit zu sehen. Und als Angehörige/r der geistigen Elite, zumal als Buchautor, ist man beim Anblick von Amazon wohl angepisster, als sich irgendein Leser vorstellen kann; mit was für Leuten man sich da ein Stück Netzpräsenz teilt. Eine Taschenbuchausgabe des eigenen Werkes auf einem sonderpostierten Grabbeltisch für 1.99 € wiederzufinden, ist wohl nichts gegen dieses Gefühl, welches einem das Internet vermittelt - das Gefühl, nicht so einzigartig zu sein.

Zurück zur Rhetorik: Frau Meckels im genus medium gehaltene Rede ist beim Publikum und dem Großteil der sie erwähnenden Blogs wohl deshalb so gut angekommen, weil bei solchen Konferenzen conciliare et delectare dem weniger unterhaltsamen docere et probare vorgezogen wird. Das ist zwar schade, aber auch verständlich; denn wie gesagt: Reden kann die Frau.

Warum ich sonst so wenig über #rp10 geschrieben habe, kann man hier nachlesen.

*Odorono

Verkaufsargumente / The Who Sell Out ist ein großartiges Album, keine Frage. Zusammen mit dem Plattencover, also genauer: dem Zeug, daß sich Pete Townshend da unter die Achsel schmiert, fand ich von all dem verstörenden Kram darauf und darum, dem Mix als überlaunische Radiosendung, diesen Song am allerallerseltsamsten. Allerdings wußte ich bis heute nicht, daß dieses Deodorant wohl mal echt große Nummer im körperhygienischen Produktsektor gespielt hat. Ist eben vor meiner Zeit gewesen.

Neben dieser Reklame finden sich noch jede Menge anderer Beispiele im Netz.

Und ich finde übrigens - besonders, seit der Plattenspieler im Wohnzimmer dank Verstärkerwechsel wieder funktioniert - mein Vater könnte mir jetzt schon seine nahezu komplette Sammlung aller Erstpressungen von The Who, Procul Harum und Jimi Hendrix vererben. Bei meinen Eltern steht nämlich nicht einmal mehr ein CD-Player in der Wohnung.

"Lady, I don't have time."

Gehetzt klingen viele heutzutage. Oder wollen so klingen: busy. Termine, Termine, Termine und zwischendurch immer up to date bleiben - jeden Tag, 24/7. Es ist hier bestimmt nicht meine Absicht, Charlie Chaplins Stummfilmklassiker zu romantisieren, denn über die Fließbandarbeit sind wir längst hinaus. Statt Arbeitsteilung ist nun Multitasking das trendy Topic. Aber wie modern kann die Zukunft schon sein?

Die brand eins widmet ihren Schwerpunkt in der aktuellen Aprilausgabe (Editorial) dem Thema “Lebensplanung”. Klar, sie führt wahrheitsgemäß die Bezeichnung Wirtschaftsmagazin im Untertitel, d. h. mit Leben ist hier eigentlich nur Arbeit gemeint. Aber das ist ja gerade das Problem: die stetig verschwimmendere Trennung von Privat- und eben Arbeitsleben. Okay, es gibt ihn zwar schon länger, aber allein der Begriff “Arbeitsleben”. Da kommt einem selbst Frederick Winslow Taylor als Schreckgespenst nicht mehr in den Stechuhrzeigersinn, darüber ist man schon längst hinaus. Wo nichts mehr zu rationalisieren ist, da lautet das neue Schlagwort Flexibilisierung. Da braucht man sich gar nicht darüber zu freuen, das Internet auch im Büro uneingeschränkt nutzen zu können, um etwa einen Tisch in einem Restaurant zu reservieren; denn selbstverständlich werden dann auch noch zu abendlicher Stunde zwischen Vorspeise und Hauptgericht auch berufliche Mails gecheckt und vielleicht sogar auf der Toilette kurz beantwortet. Der Chef besteht mitunter gar nicht drauf, der Angestellte erledigt das in vorauseilendem Gehorsam aus Pflichtbewußtsein.

Das Restaurantreservierungsbeispiel aus einem Artikel des Hefts ist gut gewählt. Längst (sprich: seit einem Jahr oder so) sind die Zeiten vorbei, in denen man das als Einladung für schon damals (sic!) eher nur so mittelmäßige Scherze über das nicht vorhandene Sozialleben von Nerds und Geeks genutzt hätte. - Wozu einen ganzen Tisch reservieren? Als Einzelgänger ohne echte Freunde findet man doch immer irgendwo ein Plätzchen. Das mit den Freunden ist jetzt anders, seit wirklich jeder auf Facebook ist. Die Konvergenz von RealLife- und Online-Identität nimmt täglich zu und wer nicht mit dabei ist, der fällt leider oft durchs Beachtungsraster. Denn weil alle “was mit Medien machen”, fällt Freundschaftspflege ja als Networking jetzt auch unter erweiterte Arbeitsleistung.

Wir sind natürlich cool damit. Den Tag über im Web rumscouten und mal das eine oder andere Paper auf den Bildschirm bringen, unterbrochen von Meetings hier und da. Was aber, wenn einem der Job nicht gefällt? Soll ja hinter der Avantgarde im Hauptberufsheer durchaus mal vorkommen. Und auch bei den digitalen Vorkämpfern herrscht nicht immer Einigkeit, da wird das Lob der Freiheit gerne mal als neoliberales Denken gebrandmarkt. Beispiel Home Office: Da redet man sich die Einsparung einer (als ÖPNV-Nutzer) konzentrierten Nachrichtenlektüre des Arbeitswegs so lange schön, obwohl es für den Arbeitgeber viel mehr Vorteile hat (Einsparpotential) als für den -nehmer, bis man sich dann irgendwann doch der Geselligkeit halber in einem Co-Working-Space wiederfindet. Wahrscheinlich, weil man im Oberholz vor lauter Touristen gar nicht mehr zum Arbeiten kommt. Wenn man denn überhaupt einen Job hat. Ich persönlich stehe da auf der Seite der Medienelite. Die Zahl derer, die sich die Rosinen aus dem Kuchen picken können, bleibt wohl auch in der schönen neuen Arbeitswelt 2.0 recht überschaubar. Die Mehrheit wird sich mit ein paar vorgesetzten Krümeln abspeisen lassen müssen.

Und am Ende muß man Lee Marvin beipflichten. Aber weiter. Das Programm der re:publica steht soweit. Na warte.

von wegen

Gestern Abend mal wieder in der Kneipe gesessen und Fußball geguckt, nicht der Rede wert. Der VfL hat im zweiten Spiel in Folge eine Führung hergegeben und am Ende verloren. Wenn nächste Woche gegen Freiburg keine drei Punkte geholt werden, dann steckt Bochum zum Saisonende doch noch ganz tief im Abstiegskampf. Aber egal, soll hier nicht Thema sein. Irgendein komischer Freundeskreis wollte da in einen Geburtstag reinfeiern, also haben wir gemacht, daß wir vor Mitternacht aus dem Laden gekommen sind. Auf dem Heimweg ist mir plötzlich ein Tweet des mittlerweiligen FAZ-Bloggers @mspro wieder eingefallen, den er mehrere Stunden zuvor verfasst hatte.

warum bezeichnen verleger google als "marktbeherrschende" suchmaschine? was wäre anders für sie, hätte auch yahoo erfolgreichen newsdienst?

Kann man im Kern ja nur zustimmen. Aus Leuten wie Herrn Burda spricht der pure Neid angesichts sich ändernder Verhältnisse. Ich will da gar nicht näher drauf eingehen, das haben andere schon zur Genüge getan. Meine zwei Cents zum Thema beschränken sich auf den Gedanken, der sich mir - zuhause angekommen - beim Ausziehen der Klamotten vor dem Zubettgehen aufgedrängt hat: Obwohl die meisten Leute täglich duschen, sich jeden Tag sowieso ein frisches Shirt anziehen, beschweren sich viele von ihnen über die nach einem Kneipenbesuch verqualmten Klamotten. Das gipfelt dann, wenn man lange genug rumgenölt hat, in bürokratischen Nichtraucherschutzgesetzen. Aber was kommt wirklich tatsächlich dabei heraus? Zumindest hier in Köln schert man sich wenig um dieses Gesetz. Ich gehe weiterhin in dieselben Kneipen und Bars, werde so gut wie nie während eines Konzerts gebeten, das Rauchen doch bitte zu unterlassen. Ich habe noch keine nikotinfreie Disko von innen gesehen und zünde mir auf Bahnsteigen bzw. an Haltestellen zur Überbrückung der Wartezeit selbstverständlich eine Zigarette an.

Auf dem Spaßbremsweg

Und was tun die Nichtraucher? Statt sich in den neu entstandenen, öden und cleanen Nichtraucherrestaurants und -cafés zu tummeln, stehen sie immer noch lamentierend in den verrauchten Gaststätten, weil es da eigentlich gemütlicher ist oder weil da mehr los ist. Google höchstselbst hat auf seinem offiziellen Blog erklärt, wie man die Suchmachine von seinen Websites aussperrt. Aber auf diesen Traffic wollen die Verlage natürlich nicht verzichten. Sie hoffen stattdessen lieber darauf, daß irgendwann diese Party im Internet vorbeisein wird und endlich der Arbeitsalltag einzieht. Denn eins hat sich schon geändert: In meinem Büro in der Agentur darf jedenfalls nicht mehr geraucht werden.

(Filmstill gefunden bei)

Und apropos Fußball: Wer mal gegen mich am Kicker antreten möchte, der hat am 10. April in oben erwähntem Lokal die Gelegenheit dazu. Wir bleiben beim Sport: Wegen des schönen Wetters drehe ich jetzt erst einmal eine Runde mit meinem gerade erworbenen Fahrrad.

an der Leine, sen.

Eine Studie will herausgefunden haben, daß Bio-Konsumenten nicht automatisch auch bessere Menschen sind. Im Gegenteil nutzen sie ihre moralische Überlegenheit im Hinblick auf Kaufentscheidungen sozusagen als saftiges Ruhepolster, um auf anderen Gebieten bei fehlverhaftetem Verhalten Ausgleichsentschuldigungen parat zu haben. Das erklärt wohl kaum diese überstrapazierte Hitler/Vegetarier-Sache, aber bei mir selbst kann ich schon manchmal erkennen, wie ich mit meiner Kraftfahrzeugsenthaltsamkeit den ein oder anderen Frevel (Rechner über Nacht anlassen, ToGo-Pappbecher, Zigarettenkippen, …) rechtfertige. Es bleibt dabei aber wohl immer ein Ökobezug, denke ich mir. Mein Schwarzfahren oder den Gang über eine rote Ampel damit zu erklären, fände ich allerdings abstrus.

Via Ralf der Hinweis auf einen Artikel bei spiegel.de/ über Microsofts Blau #0044CC nebst die darein gesetzten Hoffnungen. Und er schiebt auch gleich den Hinweis hinterher (Facebook-Kommentar), wie nahe diese gralsgetriebene Überfarbe am International Klein Blue ist.

Keine Kunst

Spätestens seit meinem Studium bin ich ein großer Fan von Klappentexten und so mußte ich sehr über diesen Artikel im sz-magazin.sueddeutsche.de/ (ich schreibe es wirklich) schmunzeln. Bei der Gelegenheit, dem ganzen Hegemann-Trara und weil gerade Leipziger Buchmesserei ist, kann man ja ruhig mal wieder auf so literaturtheoretische Klassiker wie Palimpseste von Gérard Genettes hinweisen. Hat den eigentlich schon jemand fundiert auf das Thema Internet angewendet?

Paar Lesetipps, alle irgendwie mit Internet und unkommentiert:

Von Fensterbänklern und Motorrädelsführern

Über 50.000 Unterschriften sind in Köln für den Erhalt und die Sanierung anstelle von Abriß und Neubau des Schauspielhauses zusammengekommen. Es wird also aller Wahrscheinlichkeit nach demnächst zu einem Bürgerentscheid kommen, denn daß in der nächsten Ratssitzung Ende März das Bürgerbegehren angenommen wird, wo man doch im Dezember den Abriß des denkmalgeschützten Theaterbaus beschlossen hatte, das glaubt trotz des damals relativ knappen Abstimmungsergebnises kaum jemand.

Elfter März, gestern das Hot Chip-Konzert vor ein paar Tagen war ziemlich meta, so seltsam das klingt. Ich glaube, wenn man die Lieder von den Alben her nicht kannte, dann war der Auftritt nur der halbe Spaß. Man könnte aber auch einfach sagen, daß sie ihre Lieder in teilweise ziemlich komischen Versionen gespielt haben. Quasi Eigencover, oder so. Der Kölner Tourstop zur Platte davor hat mir jedenfalls besser gefallen. Aber die Band besitzt Humor, wie man im Clip zur neuen Single sehen kann. Ob der Witz aber (trotz Lasern) über drei Minuten hält, möge jeder selbst entscheiden. Ich für meinen Teil binde lieber dieses Video (via nomnomnom.de/) in den Post ein. Ziemlich zusammenhanglos? Musik und Spaß im Bild müssen reichen. “Where my gerunds at?”